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23.11.15

Weihnachtskleid-Sew-Along Teil 2 Schnittvorstellung und wie ich einen Schnitt anpasse

Heute geht es um: 

 - Stoff- und Schnittvorstellung
- Hurra, ich habe genau den Stoff gefunden den ich mir vorgestellt habe. Der Schnitt passt auch  

   super dazu.
- Der Stoff ist toll, aber ich nehme doch lieber ein anderes Schnittmuster. Oder doch nicht?
- Was solls, ich kopiere den Schnitt und schneide gleich noch zu.
- Hilfe, der Stoff kommt nicht. Das Schnittmuster gefällt nicht mehr.

Ausserdem wollte ich Euch zeigen, wie ich die kopierten Schnittteile mit meinem Basisschnitt abgleiche.

Entschieden habe ich mich für diesen Schnitt aus der aktuellen La Maison Victor:

Ich bin mehr und mehr unsicher, ob ich wirklich noch dauernd neue Schnittmuster brauche. Hatte nicht die Knip auch genügend ähnliche Schnitte, daß ich mir so ein Kleid hätte nähen können? Oder sollte ich mich mal mit Schnitterstellung anhand von Grundschnitten beschäftigen?
Ach, aber so ein neues Heft macht halt Laune und es ist viel einfacher, einfach ein neues abzupausen anstatt lange rumzubasteln. Aber halt auch gefährlich, vor allem bei einem neuen Hersteller, mit dem man noch nicht viel Erfahrung hat.
Ich habe gute Erfahrungen mit meinem Basisschnitt gemacht und mache ausserdem bevor ich einen Streichelstoff anschneide irgendeinen Testlauf. Hier habe ich ein Probekleid genäht, in schwarz, das kann ich gut brauchen. Der Stoff lagert schon ewig im Schrank, ich glaube ursprünglich sollte er eine Hose werden, das muss lange her sein...
Es ist ein etwas stabilerer BW-Stoff mit etwas Stretch, wenn sich der Schnitt hier bewährt, taugt er für alles andere.
Das fertige Kleid zeige ich beim nächsten Mal, wie man sehen kann habe ich es schon angehabt, es ist also tragbar (sogar sehr schön!) Für den hinteren Beleg habe ich den Vögelchenstoff genommen, ein nettes Detail nur für zuhause.


Wenn ich also einen Schnitt abpause lege ich zuerst meinen Basisschnitt auf den Schnittbogen und schaue, welche Größe am ehesten hinkommt. Das funktioniert natürlich vor allem bei eher körpernahen Schnitten wie diesem Kleidoberteil. Bei weiteren Sachen ist es eher Glückssache, da könnte die Höhe des Armloches und die Schulterbreite z.B. ein Hinweis sein.
Im Fall des Kleides war ich ein bisschen erstaunt, daß der Bereich des Armloches sehr schmal zu sein schien. Normalerweise muss ich hier 2-3 Größen kleiner gehen, bei Knip z.B. fast Gr. 36 und an der Taille dann fast 42. Vor allem meine Schultern sind eher kurz, dafür aber sehr hoch. Hier war jetzt Größe 46 immer noch schmäler als mein Basisschnitt. Also habe ich 46 abgepaust und die ausgeschnittenen Teile aneinandergelegt (VT und RT bestehen aus je zwei Teilen, das macht den Vergleich auf dem Schnittbogen eher etwas schwierig). Darauf habe ich dann den Basisschnitt gelegt und Abnäherbreite, Taillenweite, Weite am Armausschnitt nochmal verglichen. 

Das ist das Rückenteil, wie ich es dann zugeschnitten habe. Das grüne ist der Maison-VictorSchnitt, das dunkle meiner. Angeglichen habe ich die Taillenweite, das war dann in Gr. 46 doch zuviel. Ausserdem nehme ich unten immer ein Stück weg wegen Hohlkreuz, das ist die leichte Rundung zur Rückenmitte. Grundsätzlich verfahre ich aber nach dem Prinzip 'wegnehmen geht leichter als hinzufügen', also lass ich lieber ein bisschen mehr stehen.
Was hier garnicht passt ist die Höhe der Teile, die Schulternaht verläuft bei Maison-Victor-Schnitt ganz anders als bei meinem Schnitt. 

Das Vorderteil, hier kann man sehen, daß das Teil am Armloch sogar noch schmäler ist als mein Schnitt und das bei Gr. 46! Gedanklich muss man den Abnäher im Armloch nach unten zur Seitennaht denken, Hauptsache erstmal die "Menge" an Abnäher stimmt. Und der Brustpunkt, den habe ich zwei Zentimeter runtergenommen.

Wegen den so unterschiedlich verlaufenden Schulternähten habe ich die Teile dann noch so zusammen gelegt und verglichen, das passte dann doch ganz gut, auf der einen Seite ist es am unteren Ende Armausschnitt zu weit, am anderen Ende zu eng, zusammen könnte das also gehen.

Das ist also meine sehr hausgemachte Methode, mich vor unschönen Überraschungen bei der Grössenwahl zu bewahren. Den Basisschnitt habe ich mir mal selbst erstellt, ein bereits erprobter gut sitzender körpernaher Schnitt würde es auch tun.
Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Zuschneiden!

Alle anderen Weihnachtskleidlerinnen versammeln sich hier auf dem MMM-Blog

8.12.14

WKSA Teil 3 und 4

Zuallererst möchte ich auch hier nochmal auf unsere Spendenaktion hinweisen, ich bin wie die ganze MMM-Crew total begeistert, daß ihr auch dieses Jahr so toll mitgemacht habt, Wahnsinn! Wir haben einvernehmlich beschlossen, bei dem guten Start das Spendenziel noch ein Stückchen hochzuschrauben, jeder Euro bringt uns näher an eine weitere Ausbildung einer Frau in Afghanistan, das ist super!!! Und lasst Euch überraschen, das Goodie wird glaub ich ganz toll.

In der letzten Woche habe ich vergeblich auf ein Zeitfensterchen gehofft um mit dem Weihnachtskleid weiter zu kommen, aber nix wars! Eingestiegen war ich erst zwei Tage vor dem dritten Termin, jetzt passt der nächste Zwischenstand halt zum vierten besser, also los!

30.11.: Ich bin in Stimmung, erste Nähte sind gemacht oder wahlweise Endlich hab ich angefangen

Hier passt das zweite ganz gut, den Anfang machte nämlich das Ankommen und für gut Befinden des Stoffes, der erfreulicherweise genauso aussieht wie auf dem Foto im Shop. Natürlich hätte er etwas dicker sein können, aber haben wir Viskosejersey schonmal dicker bekommen als erwartet? Eben. 




7.12.2014 WKSA Teil 4:
Uah, es passt nicht, das muss ich ändern / Ich habe diese schwierige Stelle gemeistert und bin stolz wie Bolle! / Das sieht doch schon ganz gut aus, oder? / Ich hab ein Hängerchen und brauche Motivation!


Bei mir passieren die meisten Änderungen vor dem Zuschnitt, also im Schnittmuster. Dafür hatte ich mir mal einen Basisschnitt erstellt und korrigiere seitdem die Schnitte anhand dieser Schnittteile. Das funktioniert sehr gut und ich habe so eigentlich immer tragbare Ergebnisse, an denen ich kaum noch was ändern muss. Nach Kind drei habe ich eine Weile gezweifelt, ob der Basisschnitt schon wieder passt, aber ich habe ihn diesmal wieder benutzt. Da der Stoff dehnbar ist wird er die restlichen Zentimeterchen für den Stillbusen liefern können ;-)

Ich hab Fotos gemacht und zeige Euch hier mal wie ich vorgehe:



Zier Erinnerung, das ist mein Schnitt, ein als Housecoat deklariertes Kleid mit großem Kragen aus den 50ern, Simplicity 3749. Die Größe entspricht laut Maßangaben eigentlich nicht meiner bevorzugten Kleidergröße, 14 wäre eine Nummer zu klein, aber man weiss ja nie so genau wie es ausfällt.


So sieht das dann aus, wenn man einen Vintageschnitt auspackt, ein Häuflein in diesem Fall schon ausgeschnittener dünner Papierschnittteile, evt. schon seit Jahrzehnten nicht mehr aufgefaltet gewesen. Irgendwie immer wieder ein bisschen heilig, sowas auszubreiten...


Erstmal lauwarm bügeln, sonst wird das nichts.


Da ich an dem alten Schätzchen nichts rumschnibbeln möchte werden die relevanten Teile (Vorderteil, Rückenteil und Ärmel) erstmal 1zu1 abgepaust. Ich hab diesmal Papier genommen statt der dünnen Baumarktfolie, damit ich abgeschnittene Teilchen besser kleben kann.


Erster Blick mit dem darüber gelegten Basisschnitt (blau), ganz erfreulich, so weit weg ist es garnicht. An der Taille fehlt ein gutes Stück und die Schulterlinie muss ich korrigieren. Zu lang ist es auch, aber das ist ja ein kleineres Problem.


Hier habe ich vergessen ein Foto vom aufgelegten Basisschnitt zu machen, das ist das Vorderteil mit dem Kragen. (Den Basisschnitt sieht man untendrunter durchschimmern, allerdings verrutscht)
Das rote sind die Korrekturen, so werde ich also zuschneiden.
Wie erwartet war hier vor allem die Höhe des Armlochs ein Stück zu niedrig, das muss ich eigentlich immer ändern, hinten fiel es aber kaum ins Gewicht. Die Abnäher stimmen von der Weite fast überein, Taillenweite und Länge muss ich hier auch ändern. Ich habe also die Abnäherspitzen nach unten verlegt und dazu passend die Knopflöcher (die müssen zur Brust passen, sonst steht die Knopfleiste auf), der untere Abnäher könnte immer noch zu hoch sein, aber das prüfe ich am genähten Teil.
Ich habe den Kragen etwas nach aussen verlegt weil mir der Halsausschnitt zu eng vorkam, mittlerweile zweifele ich aber, ob ich wirklich soviel verschieben darf. Diese angeschnittenen Krägen sind eine typische 50er Jahre Schnittführung und nicht so einfach zu ändern wie z.B. die Taillenweite. Evt. probiere ich das mal mit einem Probestück. Ich hatte diese Änderung neulich an einem anderen Kleid und da war es nicht ganz so geworden wie gehofft.
Für diese Kragenform muss man aber auf jeden Fall das nach oben stehende Stück, was am Rückenteil den Kragen bildet, entsprechend dem vergrösserten Ausschnitt vom Rückenteil verlängern.

Wie man gut erkennen kann ist alles locker aus dem Handgelenk eingezeichnet, ich mache also kein Riesenaufhebens drum, mein Augenmass ist eigentlich ganz gut. Letzte Korrekturen muss ich eh am fertigen Kleid machen.


Bei der Schulternaht vom Rückenteil habe ich einen Teil der Höhe zugegeben der beim Vorderteil gefehlt hat, ich denke, sonst rutscht mir die Naht zu sehr nach hinten. Oder wäre das wegen des angeschnittenen Kragens notwendig? Das sind so Details, die ich noch nicht so raushabe.


Dann geht es weiter mit dem Ärmel, die Armkugel habe ich abgepaust. Die gemachten Änderungen an den Oberteilen habe ich abgemessen (so supergenau bin ich nicht, halt so pie mal Daumen) und an der Armkugel an mehreren Stellen die entsprechend nötigen Zugaben eingezeichnet.


Den Ärmel habe ich dann einfach an mehreren Stellen eingeschnitten, in der passenden Weite auseinandergezogen und aufgeklebt. Den unteren Teil habe ich erst dann drangezeichnet.

Jetzt kann ich die Belege an den neuen Oberteilen abpausen und die Rockteile mit mehr Weite versehen, dann sollte es eigentlich passen!

Wie weit alle anderen sind kann man hier nachlesen.

22.7.13

Vintagekleid in dunkelblau

"Dunkelblau was my first love.... and it will be my last..." Also ich muss jetzt erstmal was zu meiner eigentlichen Lieblingsfarbe schreiben, dunkelblau! Das hatte ich in den letzten Jahren nämlich irgendwie verdrängt. Seit der Verlagerung des Stoffeinkaufs vom realen Geschäft in den virtuellen Shop ist einfarbiges Stoffe kaufen reichlich unsexy geworden und ich kann mich fast garnicht dazu überwinden. Kein Wunder, auf den kleinen, rechteckigen Shop-Bildchen lässt sich ja auch kaum etwas wahrnehmen, jeder Uni-Stoff wird zum Farbfeld und scheidet bei der Auswahl durch schiere Langeweile aus. 
Sehr dumm, wie ich so langsam feststelle, denn eigentlich liebe ich einfarbige Kleidungsstücke sehr, gerade wieder beim Sew-Along war ich auf jeden der Uni-Bombshells irgendwie neidisch, ich albernes Huhn. Hatte ich doch selber alle Unis als untauglich ausgeschlossen und mir den Zackenstoff rausgesucht.
Nun gut, wir lernen also alle nicht aus und ich gelobe, mich mal auf meine alten Vorlieben zu besinnen. Zu späten Teeniezeiten trug ich meistens weiße Blusen zu dunkelblauen Hosen, alles selbstgenäht (ich alte Angeberin, jaja. Die Blusen z.T. aus alter Bettwäsche, mit Spitze, hach) Ich erinnere mich an eine Chorfreizeit, auf der ich wie gewohnt den Inhalt meines Koffers luftig am Fußende des Bettes verteilt hatte und auf das morgendliche Gejammer, ich wüsste nicht was ich anziehen sollte, meine Zimmergenossin lachend ein Teil nach dem anderen hochhob und rief "des is ja auch echt schwierig: dunkelblau, weiß, dunkelblau, weiss, dunkelblau..." Muss ich immer dran denken, wenn ich sie sehe, hihi.



Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Post: Das Vintagekleid

Als Cat neulich dieses Modell gezeigt hat, war es (mal wieder) um mich geschehen. Gleichzeitig wusste ich, dass ich das Kleid schonmal irgendwo gesehen hatte, nämlich hier.  
Ich finde den Schnitt ganz wunderbar, die Größe ist ziemlich perfekt als Vintagekleid-Ausgangsgrösse, das schien eine einfache Aufgabe zu sein. Ich war aber etwas unglücklich mit der Stoffkombination und der weißen Kontrastfarbe, damit würde es für mich zu unalltäglich werden (Cat hat ja auch schon von der Auffälligkeit geschrieben) und das wollte ich nicht. Ich hab schon ein blauweißes Anlasskleid, ein zweites brauche ich nicht, es gibt auch gerade garkeinen Anlass. Ich wollte lieber sowas dazwischen, schick, aber auch mal für so. Vielleicht ein Sonntagskleid.
Eine andere Stoff-Kombination fiel mir ums Verr*cken nicht ein (kennt ihr das? man überlegt tagelang, was der beste Stoff wäre), der Kragen aus einer anderen Kontrastfarbe als weiss käme mir seltsam vor und zu weiss geht irgendwie auch nicht alles. Rot zu weiss fände ich auch irgendwie toll, aber damit wird es ja noch auffälliger... Warum also nicht einfach das ganze Kleid im gleichen Stoff? Der Plan war schliesslich ein schmal hellrot gestreiften Stoff (schon wieder gemustert, ihr merkt schon...), den ich in der Sale-Kategorie von Hemmers gefunden hatte. Zu der eigentlichen Stoffwahl wanderten noch andere Stoffe in den Warenkorb, wie man das halt so macht. U.A. auch ein dunkelblauer leichter Hosenstoff aus BW, ich weiß schon garnicht mehr, für was ich den eigentlich vorgesehen hatte.
Als das Päckchen ankam hielt ich den dunkelblauen Stoff in den Händen und wusste plötzlich wieder, wie gut ich mich in dunkelblauen Kleidern fühle.




 
Gesagt, getan, hier ist das dunkelblaue Vintagekleid, sehr gut tragbar mit dunkelblauem Kragen und Ärmelaufschlägen. Geguckt wird übrigens trotzdem ;-) 
Ich finde, die einfarbige Variante auch sehr erstrebenswert, was meint ihr?
Dazu meine neuen, bei e*ay heiß erkämpften Softclox in GRÜN(!!!), ich liebe sie! Damit ist das Outfit reichlich deckungsgleich mit Cat, man möge es bitte verzeihen.





Hier noch eine Nahaufnahme der weißen Knöpfe, in meiner Vintage-Knopfsammlung fanden sich genau fünf dieser hübschen Dinger, offensichtlich haben die auf das Kleid gewartet.
 
Der Schnitt ist, ich nehme es vorweg, nix für Feiglinge. Aber es lohnt sich! Mit Näherfahrung bekommt man ihn schon geregelt. Schwierig ist er m.M. nach, weil einige Details heute einfach anders konstruiert werden und das einiges Kopfzerbrechen bereitet. Eine Anleitung gibt es ja eigentlich nicht, man braucht schon eine Portion Mut zum Scheitern, wenn man ein Teil einfach mal annäht um zu gucken, ob sich der Knoten im Hirn vielleicht anschliessend in Luft auflöst.

Vielen Dank an Neu4bauer für den kostenlosen Schnitt! Das Kleid ist wirklich toll und besonders und ich bin sehr glücklich mit meinem!

(Kleiner Einschub: Neulich beim rumgucken auf der Knipmodeseite fiel mir dieses Kleid auf, Kragen und Knöpfe dazu konstruiert und schon hat man ein ähnliches Hinguckerkleidungsstück! 

Ich habe hier natürlich auch mit dem Basisschnitt gewerkelt und ich zeige Euch auch mal die Fotos die ich gemacht habe. Ich muss aber dazu sagen, dass ich keine Punktlandung gemacht habe und nochmal nachkorrigieren musste. (Evt. bin ich zu anspruchsvoll?) Aber Versuch macht kluch und so langsam bekomme ich auch hier Vertrauen in mein Tun (und weiß auch, dass ich am Basisschnitt nochmal rumschnibbeln muss, aber das ist für hier mal fast egal)

Hier ein Blick auf einige Änderungen:

Das rote gezeichnete ist mein Basisschnitt (aus Folie). Zu vernachlässigen ist die Höhe, allerdings nicht die Rundung der Taillenlinie nach oben für das Hohlkreuz. Außerdem wollte ich auch da gerne einen Abnäher.
Im Original ist mir der Halsausschnitt zu eng, der angeschnittene Arm und die Schulter etwas zu weit.

So habe ich dann zugeschnitten, das blaue ist mein Schnittteil. Am Ende war das Kleid in Höhe der Taille ein ganzes Stück zu weit. Ich hatte die Taille nur vorsichtig angepasst, weil ich nicht genau wusste, ob der Schnitt eine ganz enge Taille verträgt (der Basisschnitt ist ja engstmöglich) und enger nähen geht ja immer noch.

Hier beim Vorderteil ist Basisschnitt (rot) UND fertiges Schnittteil (blau) aufgelegt, wie man sehen kann, habe ich den Halsausschnitt entsprechend dem Rücken weiter gemacht, zusätzlich zum seitlichen Brustabnäher (bei dem ich den Brustpunkt ein Stück nach unten verlegt habe) noch einen vertikalen eingebaut und auch hier den "Ärmel" etwas verschmälert. Angeschnittene Ärmel sind ja ein Sonderfall, deshalb habe ich lieber großzügig Weite nach oben gelassen (dieser Bereich ist bei mir sonst immer zu niedrig, weil meine Schultern so hoch sind. Hier habe ich mich also eher gewundert, dass ich das kleiner korrigieren konnte)
Interessant fand ich, dass statt eines vertikalen Abnähers diese seltsame Rundung in der Seitennaht ist. Das funktioniert wohl eher nur bei weichen Stoffen.
Im Nachhinein hätte ich den Halsausschnitt auch nach unten hin noch weiter machen können, vielleicht bis kurz vor den Knöpfen. Und wie zu Erwarten war, ist die Taille so zu weit (Vergleich Vertikale Abnäher rot und blau)

Der geänderte Halsausschnitt erfordert eine entsprechende Änderung am Kragen, ich habe den neuen Ausschnitt abgemessen (bis zu den Ecken soll er in den hinteren Halsausschnitt eingenäht werden) und die entsprechende Weite zugegeben.
Am Rock habe ich ähnlich geändert, das ist wie ihr euch denken könnt weniger aufwändig, Weite korrigieren, hinten die Taillenlinie nach unten wegen des Hohlkreuzes, das war es. Ich bin auch da auf Nummer sicher gegangen, weniger geht ja immer noch.
 Außerdem habe ich die Ärmelaufschläge etwas "entschärft", sie sind an der spitzen Stelle einfach nicht so hoch wie original. Ich habe sie ausserdem von innen mit ein paar Stichen fixiert, sonst guckt man dauernd, ob sie noch richtig sitzen.
Beim Zusammennähen war ich irgendwann so in Eile, dass ich vor Annähen des Rockes vergessen habe zu kontrollieren, ob die Taille ok ist. Damit passte der Rock ü-ber-haupt nicht ans Oberteil und ich hab ihn oben ein ganzes Stück abgeschnitten. So, jetzt wisst ihr auch, warum mein Kleid viel kürzer ist als die anderen ;-)
Die Fummelei mit den Falten lasse ich jetzt mal unerwähnt, die sind in Kombination mit den Knöpfen aber natürlich der Hingucker bei dem Kleid.
An der Taille habe ich dann wie gesagt ein Stück abgenäht und jetzt ist das Kleid trotz des etwas steifen Stoffes sehr bequem und luftig, man schwitzt eigentlich nicht darin und hat doch bedeckte Schultern. Ich liebe es!!!
 
Und dann wäre da noch der Ohrwurm, der in meinem allerersten Satz gemeint war und der im Original natürlich genausogut zu meinem Leben passt:

 


 

4.5.13

Mein Körper, meine Passform, mein Basisschnittmuster

Am Montag habe ich mir ein Basisschnittmuster erstellt, das hätte ich schon lange auf meiner inneren To-Do-Liste.
Ein Basisschnittmuster, man kann wohl auch Grundschnitt sagen, ist eine selbst erstellte Vorlage,  anhand dessen ich Schnittmuster auf die eigene Passform hin abändern kann.

Schon länger war ich immer mehr unzufrieden mit meinen Ergebnissen bei der Anpassung der Schnittmuster. Zu Zeiten, wo ich noch vorwiegend Jerseykleider nähte, war es mit einzwei Zentimeterchen mehr und weniger hier und da getan (fand ich zumindest), der fluffige Jersey tat sein Übriges, unbequem gibt es bei solchen Klamotten eher selten.
Mit der wachsenden Erfahrung steigen bekanntlich die Ansprüche, ausserdem nähe ich mittlerweile reichlich auch aus festem Stoff und komme mit Pi mal Daumen einfach nicht mehr weit. Ich kann schon Schnitte passformtechnisch verbessern, aber nach dem Zuschnitt sind nur noch marginale Änderungen möglich und neulich bei der Jacke wurde mir dann klar, ohne Fakten, genaue Maße und Vorlagen sollte ich einfach keinen mir unbekannten Schnitt mehr nähen wenn ich nicht Schiffbruch einkalkulieren möchte (oder Probeteile, was ich aber für Alltags für zu aufwändig halte). Besonders schwierig wird es, wenn ich von dem Hersteller noch nie einen Schnitt genäht habe oder bei alten Schnitten, sei es aus Zeitschriften oder als Einzelschitttmuster bei denen dann auch noch die gesamte Körpergröße anders ist und die Abnäher ganz anders sitzen als gewohnt. 


Um meine Passformprobleme mal beim Namen zu nennen (eigentlich sollte man nicht von Problemen zu sprechen, oder? Es sind ja nur Abweichungen von dem, was die Hersteller von Kleidung und Schnitten als "Norm" festgelegt haben, warum sollte das überhaupt mit unseren individuellen Maßen übereinstimmen.):



Meine Schulter ist höher und wesentlich schmäler, mein Brustpunkt ist wesentlich tiefer als in Standardschnitten. Die beiden Punkte bringen sich netterweise gegenseitig in Bedrängnis, der Armausschnitt wird nach oben gezogen, ausserdem fehlt mir vorne immer Länge, was wiederum hinten  ein zuviel an Länge erzeugt. Die nach oben gezogene Taillenlinie passt zum Glück vorne, aber hinten eben nicht, dadurch ist die Taillenlinie von der Seite betrachtet nach vorne ansteigend und im Rücken entstehen Falten (die evt. auch durch ein leichtes Hohlkreuz noch verstärkt werden).
Ausserdem ist die Taille im Verhältnis zur Brust zu weit und die Hüfte im Verhältnis zur Taille nochmal zu weit. Diese zwei Abweichungen sind noch verhältnismässig leicht zu regeln, ich lasse die Linien bei Mehrgrößenschnitten einfach zur größeren Größe verlaufen. Aber bei Einzelschnitten (alle alten Schnitte sind Einzelgrößen) muss man da auch basteln.
Im Rückblick betrachtet weiss ich jetzt, daß ich oft nur an den Auswirkungen rumgebastelt habe (Stichwort: Falten im Rücken) und die Ursachen mir garnicht bewusst waren. Den zu tiefen Brustpunkt konnte ich an Schittmustern mit mittlerem geraden Abnäher, wie Licorice leicht beheben, den kann man auch am fertigen Kleid noch kürzen, bei der Jacke hingehen ist nach dem Zuschnitt nichts mehr zu machen, ein geteiltes Vorderteil müsste ich vor dem Zuschnitt ändern.

 Natürlich könnte ich mich auch jedesmal beim Abpausen mit dem Zentimetermaß hinsetzen und an den neuralgischen Punkten kontrollieren und hier und da Punkte verschieben, aber es scheint mir doch viel praktischer, einfach eine originalgrosse Papiervariante zu haben. 

Mithilfe des Grundschnittes hoffe ich, vor allem schneller zu gut sitzenden Oberteilen zu kommen, die Rockteile sind ja eher selten das Problem und Hosen nähe ich im Moment keine.







Nach dem (gefühlten) Desaster mit der Jacke hab ich mich im Internet auf die Suche gemacht, wie so oft findet man vor allem in der englischsprachigen Welt einige interessante Seiten und als ich den Artikel "The Merits of a basic fitting Pattern"der englischen Zeitschrift "Threads" fand, war ich völlig begeistert, das war genau das was ich gesucht hatte! (Kann man sich ausdrucken)
Der Artikel beginnt da, wo man den gut sitzenden Basisschnitt schon erstellt hat, die Problematik nach dem Anpassen des Basisschnittes ist ja: Wie übertrage ich das jetzt auf ein fertiges Schnittmuster, wie gehe ich vor um das abzuändern? Neben der essentiellen Anleitung zum Verlegen von Abnähern wird auch erklärt, wie man durch übereinanderlegen von Basisschnitt und Schnittmuster die Abweichungen erkennt und wie man dann mit Schneiden und Falten angleicht. Mehrzugaben an Weite müssen je nach Schnitt und Design berücksichtigt werden, da wird man sicher auch Erfahrungen machen müssen. 
Jetzt brauchte ich eben noch den Basisschnitt, im Artikel "Sloper" genannt.





 Schon vor in paar Monaten ist mir dieses alte Beyer-Basisschnittmuster aus den in die Hände gefallen. Wie oben erwähnt hat es von der Grundidee eine andere Form als moderne Schnitte, vor allem an der Brust. So einen spitzen BH wie in den Sechzigern will ich nun nicht tragen, aber als Ausgangsform sollte der Schnitt wohl gehen. (Alternativ könnte man auch einen schmalen, schlichten Schnitt, z.B. von einem Etuikleid nehmen. Enger nähen kann man dann ja immer noch.)

Auch wenn die Brustabnäher vorne allesamt unbrauchbar sind, die heute garnicht mehr üblichen Schulterabnäher im Rückenteil finde ich bei meiner Figur sehr gut, ich habe nämlich oft zuwenig Weite im Rücken in Schulterblatthöhe.





Ich habe nach dieser Vorlage ein Schnittmuster zugeschnitten, ohne Ärmel zunächst, mit höchstmöglichem Halsausschnitt (um später Krägenlinien zu kontrollieren) und solange geändert und neu gezeichnet bis das hier dabei raus kam:










(Ich hoffe und glaube, de Falten auf dem Rückenteil sind nur von der Überdehung des Armes wegen dem Fotografieren...)
Es besteht aus vier Teilen, je Ober- und Unterteil vorne und hinten. Die Unterteile kann man für schmale Röcke nehmen oder für verlängerte Oberteile, die Teilungsnaht ist die Taillenlinie.

Zugeschnitten habe ich aus Bomull von Ikea, also eine einfache Baumwolle ohne Stretch. Für das Vorderteil habe ich 4 Versionen gemacht, bis es so war wie auf dem Foto, die anderen Teile waren schon beim  zweiten Versuch ok. Das fertige Oberteil ist eng, aber nicht unbequem. (Es hat einen Reissverschluss). Die Abnäher habe ich auf zwei verteilt, siehe Foto vom Schnitt, das finde ich am passendsten, kann man natürlich je nach Schnittmuster ändern. Eigentlich sind die Spitzen der unteren Abnäher immer noch zu hoch und im Brustbereich ist einen Tick zuviel Weite, aber ich war dann zu ungeduldig, ich wollte es jetzt endlich an einem Schnitt ausprobieren, verändern werde ich sicher noch weiter. Und den Ärmel muss ich noch erstellen.

Der erste Versuch war dann das Kleid im Vintagestil aus der April-knip, genäht habe ich aus Baumwollstoff, eigentlich ähnlich wie der Ikeastoff von der Haptik, nicht zu dünn (normale Leinwandbindung hat ja oft so eine leichte natürliche Elastizität).
Ich habe mir die Änderungen relativ schnell erstellt, die Schulterhöhe an meinem Basisschnitt abgezeichnet, die Abnäher und Seitennähte ebenfalls. Die überschnittenen Schultern ergeben die Ärmel, da hatte ich ein bisschen Sorge, daß das passt, aber die war unbegründet.





Das war die erste Anprobe, schon gut gell? *freu*

Minimal habe ich an der Schulter was rausgelassen, damit die Ärmel mehr Bewegungsfreiheit haben, alles andere hat gepasst, Taille, Rücken, keine Änderungen mehr nötig, toll! Wie gesagt, es ist ein bisschen zuviel Weite über der Brust, die nehme ich am Basisschnitt noch weg, aber bei dem Kleid stört es mich jetzt nicht.




Sitzt, passt, wackelt und hat Luft, so schnell habe ich das noch nie geschafft!(ausser bei Jerseykleidern...)

Das war jetzt viel Text, aber ich hoffe, es interessiert einige von Euch. Ich werde sicher weiter von meinen Erfahrungen berichten, der Start war schonmal sehr vielversprechend!