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2.3.14

Ein kleiner Rückblick mit Hormonen und Bauch und so.

Letzten Monat konnte ich mich noch nicht zu einem Rückblick entschließen, gleichwohl ich gerne welche lese. Mittlerweile habe ich mich in meinem häuslichen Schwangerendasein soweit eingerichtet, dass ich durchaus ein wenig Mitteilungsbedürfnis verspüre, warum also nicht mal den Anfang dieses Jahres der für mich sozusagenmit einer 180grad-Wende begonnen hat Revue passieren lassen!?

Wie vielleicht viele dritte Kinder hat sich unser Nachzüglerkind völlig unerwartet reingeschlichen, insofern war ich zunächst ziemlich überrascht und etwas überfordert mit dem Gedanken, nochmal einen Säugling ins Haus zu bekommen. Aber ich bin fest überzeugt, dass da auch eine gehörige Portion Unterbewusstsein mitspielt, zum einen gab es gerade reichlich Nachwuchs in Bekanntschaft und Kollegenkreis, Schwangere sind ja bekanntlich ansteckend, zum anderen lagern noch sämtliche Babysachen nach Größen sortiert auf dem Speicher, selbst Windeln müsste man da finden. Der Kinderwagen steht in der Garage. Praktisch, gell? Die innere Mutter in mir hat das offensichtlich genauso erwartet.

Mit Beginn einer Schwangerschaft verändert sich alles geplante und gewohnte ganz schnell ins ungewohnte und umgeschmissene, das finde ich so ganz spontan fast am Schwierigsten zu Akzeptieren. Auch dieses Kind soll wie seine zwei Brüder im Sommer zur Welt kommen und wie die zwei mal zuvor müssen wir auch dieses mal unsere geliebte Nordstrand-Konzertreise opfern, es ist zum mäusemelken. Drei Monate früher oder später und es wäre kein Problem gewesen, Mist! (Ja, ich finde man darf sich da ruhig ärgern, Babyglück hin oder her). 

Der wesentlich einschneidendere und unmittelbarere Teil ist der mit meinem Job, es ist nämlich so, dass ich während der Schwangerschaft nicht arbeiten darf. Es geht bei dem Verbot um den Lärm im Orchestergraben, der offensichtlich durch die Wände und die Decke so potenziert wird, dass er auch bei eher leisen Stücken zu hoch ist. Sobald ich meine Schwangerschaft beim Theater melde, muss ich "aus Sicherheitsgründen" zu Hause bleiben. Das ist natürlich sehr luxuriös und auch durchaus willkommen, es gibt genug Tage an denen man wirklich lieber noch mal ins Bett geht oder sich nachmittags hinlegen muss. Da mein Part dann von einem Kollegen übernommen werden müsste, nacharbeiten oder weglassen geht bei uns ja nicht, ist es für den Dienst wesentlich praktikabler mit einer Schwangerschaftsvertretung. Abgesehen davon ist Oboe spielen schon auch anstrengend, das kann man zwar z.T. beeinflussen, geht dann aber auf Kosten der Qualität. 

Ich bin also eigentlich glücklich vom Dienst befreit zu Hause, aber uneigentlich liebe ich meinen Job, ich mag meine Kollegen sehr gerne und so fehlt mir schon ein gutes Stück meines Lebens. Um ehrlich zu sein, muss man sich in die viele freie Zeit auch erstmal reinarbeiten, wenn dann auch noch morgens der Kreislauf ein bisschen unten ist ist das Sofa schon sehr bequem und dann kam neulich auch so schön viel Olympia, ähem... Es ist zum Glück schon besser geworden, demnächst stehen einige kleinere musikalische Projekte an und jetzt freue ich mich (nachdem ich letzte Woche erkältet war) auch wieder sehr aufs Nähen. 

Als "Großprojekt" für die Zeit bis Sommer habe ich mir das Ausmisten von vor allem Keller, Garage und Speicher vorgenommen, das könnte man vielleicht gerade noch als Nestbausyndrom gelten lassen. Alles was noch zu gebrauchen ist wandert zu ebay oder zum Wohltätigkeitsflohmarkt, auch meinen Blogflohmarkt habe ich kürzlich aufgeräumt, wenn ihr mal schauen möchtet, ich stelle die thematisch passenden Sachen dann immer dort ein. 

Mit Spannung habe ich in den letzten Wochen auch die Artikel über essgestörte Schwangere und die Diskussionen über die so schnell wieder schlanken Model-Mamis gelesen, dieser Körperwahn ist wirklich mehr geworden in den letzten Jahren. So ganz frei davon bin ich natürlich auch nicht, wer nimmt schon gerne kiloweise zu, im Wissen, dass es nicht so leicht wieder weggeht wie immer alle behaupten? Nein, es geht leider nicht allein durch Stillen wieder weg! Und nach der Geburt sieht man eine Weile ganz schön unförmig aus, ist halt so. Und davor ist man unbeweglich, kann nicht auf dem Rücken liegen und sich schlecht im Bett umdrehen, all sowas. 
Aber das schöne an der mehrfach-Schwangerschaft ist, dass man alles schon kennt und sich vielleicht besser drauf einstellen kann. Man weiß ziemlich gut, was einen erwartet, und dass man vieles einfach nicht beeinflussen kann oder es doch anders kommt als man denkt und macht sich nicht zuviele Gedanken. Wobei ich einschränkend sagen muss dass ich nicht mehr ganz so vertrauensselig bin wie bei den ersten Kindern, ein bisschen Respekt vor der vorderen vier bei meinem Alter habe ich schon. Nun lässt sich das aber ja nicht ändern und dann soll es halt so sein, meine Oma hat ihr fünftes Kind auch mit über vierzig bekommen (hallo, liebe Tante!) das mit den älteren Müttern ist nicht nur ein Phänomen unserer Zeit.
Jetzt habe ich viel gejammert, muss auch mal sein, aber eigentlich geht es mir gut! Wir freuen uns sehr auf das Geschwisterchen, auch die Jungs sind total gespannt und schmiedeten gleich Pläne als wir es ihnen sagten. Ich freue mich, daß sie dass jetzt so bewusst miterleben können, mit 6 und 8 Jahren findet man auch die Details schon ziemlich interessant.

So, viel mehr gibt es bisher nicht zu erzählen, alles zu seiner Zeit, die Schwangerschaft ist noch eine Weile lang, jetzt muss erstmal alles gut gehen! 

Nur kurz noch, um die Frage die immer als erstes kommt schnell zu klären: Wir wissen nicht was es wird (wird ist ja sowieso Quatsch, es ist ja schon was) und WOLLEN ES AUCH NICHT WISSEN! Ganz ehrlich, ich kann keinen Vorteil erkennen, wenn man vorher weiß ob Junge oder Mädchen, man kann das Kind erst kennenlernen wenn es auf der Welt ist, Punkt. Und bei der grausigen zweiten Geburt war der schönste Moment der, als sie sagten was es ist, wirklich! Auch Ultraschallbilder bedeuten mir fast nichts. Ich freue mich wenn man sieht, dass es gesund ist, das reicht.

Weiter zum eigentlich Blogcontent, was hat sich denn im Nähkämmerlein getan? 



Außer den zwei Kleidern und dem Mantel die ihr schon gesehen habt und den UFOs die ich aus Bielefeld mitgebracht habe (nichts weiter passiert bisher, shame on me) habe ich endlich endlich endlich drei lang ersehnte Serviettenringe für meine Mutter genäht. Dazu muss man wissen, dass ich vor zig Jahren, als ich meine erste neuzeitliche Nähmaschine gekauft hatte (nach der jahrelang genutzten geerbten Voll-Zick-Zack-Maschine meiner Großtante) für meine Mutter eine riesige Leinentischdecke mit passenden Leinen-Serviettenringen genäht und mit Zierstichen versehen. Die (viel gebrauchten) Serviettenringe sind mit Namen beschriftet, einer für jedes Familienmitglied samt meines Bruders Familie sowie meinen Mann und mich. Damals gab es zwei Enkel, die älteren Kinder meines Bruders. 
Nun sind schon einige Jahre ins Land gegangen und mittlerweile gibt es noch drei weitere Kinder (hüstel), das jüngste davon geht immerhin schon zur Schule (husthust) und die armen drei müssen seit Jahr und Tag die Gästeserviettenringe benutzen, Sodom und Gomorrha! 
So hab ich mir neulich tatsächlich ein Herz gefasst und noch drei weitere (und in weiser Vorraussicht ein viertes unbeschriftetes) dieser Leinendinger genäht und bestickt und die wurden heute auch an Ort und Stelle gebracht, toll gell? Ich kann irrsinnig schnell handeln, wenn es sein muss. 
Für die Hohlsaumstickerei braucht man übrigens eine Wingnadel, dann gibt es immerhin kleine Löcher. Geschlossen werden die Ringe mit einem kleinen Knopf, hier nicht zu sehen weil auf der Rückseite. 



Gestern gab es eine Jeans für den kleinen etwas passformsensiblen Jungen, seine Taillenweite entspricht leider nicht seiner Beinlänge, was das Kaufen von Hosen etwas schwierig macht. Bei diesem Schnitt ist zudem ein Gummiband im hinteren Bund, das ist auch sehr hilfreich bei seiner Figur, der Schnitt war in einer der letzten Ottobres drin. Die Beine habe ich absichtlich etwas länger zugeschnitten damit er sie umschlagen kann, das grüne innen ist nämlich die Innenseite vom Jeansstoff.



Beim Jeansnähen hat mir eine Neuanschaffung fürs Nähzimmer schon gute Dienste erwiesen, ich habe mir über ebay einen Dampfbügelautomaten aka Dampfgenerator organisiert. In Bielefeld hatte Miriam eine dabei, ich hatte sowas vorher noch nie gesehen und war sehr beeindruckt, so richtig mit Volldampf unter Druck bügelt es sich wirklich viel leichter! Nach dem ersten Nähprojekt kann ich sagen, es lohnt sich, der Dampf fixiert das gebügelte einfach besser und vor allem geht es schneller. 

Ich habe bei der Auswahl nach einem günstigen gebrauchten, starken Gerät gesucht und habe dann ein Tefal gv 8110 für 40€ bekommen. Beim Ausprobieren ging nach ein paar Minuten tollem Dampfgefauche (die Jungs haben total begeistert ihre Schlafanzüge gebügelt) erstmal garnichts mehr, kein weiterer Dampf trotz vollem Tank. Na toll, da war ich natürlich ziemlich gefrustet, ich hab noch fast nie schlechte Erfahrungen bei ebay gemacht, sollte das hier anders sein? Nach ausgiebigem Beäugen, Entkalken und Untersuchen aller Teile habe ich den Fehler schliesslich gefunden, der Wasserzuleitungsstutzen der den Tank anzapft war abgebrochen, steckte zwar in der Dichtungsöffnung des Tanks, konnte so aber nur Luft ziehen. Ich hab ihn dann mit Sekundenkleber wieder festgeklebt und hoffe jetzt, dass es hält. (Ich habe mal den Griff einer Schüssel mit Sekundenkleber wieder angeklebt, das hält seit Jahren, sogar in der Spülmaschine, also sollte das hier doch bitte auch halten.) Funktionieren tut er jedenfalls wieder wunderbar, es ist toll, bügeln macht Spass! Dämlicherweise habe ich kurz vor dem Kauf den Bügelstapel des letzten halben Jahres mit dem ollen normalen Bügeleisen weggebügelt, ärgerlich.



Außerdem habe ich noch viel gestrickt in denn letzten Wochen und mein schon angekündigtes Nuvem ist mittlerweile fertig. Waschen und Spannen müsste ich es noch, aber das eilt ja nicht. Es ist etwas größer geworden als das letzte, vielleicht hat Frau Hammer über die weite Strecke noch ein bisschen dünner gesponnen, immerhin sind es etwa 1600m oder so. Auch dieses Tuch ist aus handgesponnener Bluefaced-Leicester-Wolle, bei Woll-Street-100 auf Mass bestellt, danke für den tollen Service! Damit es für Konzerte taugt ist es ganz schwarz. Es ist wunderbar und weich und wärmt meine erkältete Seele sehr schön, schnief. 
Nuvem strickt sich einfach, man strickt bekanntlich nur rechte Maschen, aber die Lauflänge erfordert schon Geduld. Dafür lohnt es sich aber, das Tuch ist sehr gut zu gebrauchen, finde ich. Ich habe für dieses etwa 8 Wochen gebraucht, inclus. einiger aufgeribbelter Reihen gegen Ende. Ok, ich bin ja auch seit Ende Januar "arbeitslos"

Jetzt stricke ich fleissig weiter an meinem Frühlingsjäckchen, plane ein Kleid nach einem Schnitt aus der "Meine Nähmode" und erfreue mich aufs Höchste an der zweiten Staffel von "The great british sewing bee", Folge 1 und Folge 2 sind schon auf youtube zu finden.

Wir lesen uns hoffentlich Mittwoch!