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5.5.17

La Maison Victor Mantel Villette und ein neues Knip-Kleid

Bevor mein Blog zu einem reinen MeMadeMittwoch-Blog verkommt möchte ich doch gerne mal wieder etwas ausführlicher posten. Mittlerweile findet ja auch von mir einiges an Kommunikation auf Instagram statt, so die schnelle Ergebnispräsentation zwischendurch, und das Feedback ist da auch toll. Grundsätzlich finde ich Instagram echt unterhaltsam! Aber um mehr und ausführlicher etwas zeigen zu können halte ich Blogs weiterhin für unverzichtbar und zeige Euch daher heute meine neue Jacke und ein Kleid.


 


Da wir Selbernäherinnen im Gegensatz zu den Käuferinnen nichts anprobieren und testen können, schlafen manche Ideen einen längeren Dornröschenschlaf, bevor sie mit einer größeren Portion Mut dann doch mal aufgeweckt werden. Heisst es ja bei "riskanten" Projekten immer, einen u.U. geliebten Stoff zu opfern um evt. ein TFT zu produzieren. So ein ähnliches Gefühl hatte ich bei diesem Kleid und noch mehr bei der Jacke.
Im Laufe der Jahre habe ich glaube ich schon ein ganz gutes Gespür dafür, was gehen könnte und was nicht, aber bei Dingen ausserhalb der Komfortzone man überlegt halt einzwei Tage länger und wägt sehr genau ab.
Im Falle des Kleides habe ich dann auch nicht den eigentlichen Zielstoff angeschnitten, aber der graue mit den Dreiecken war jetzt auch kein billiger Probestoff sondern ist so eine Art limited Edition von lillestoff? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.


Für das Kleid suchte ich nach einem Schnitt aus einem Teil, ohne Abnäher oder Teilungsnähte ("Der Rock aber war ungenähet, von oben an bis unten aus gewirket durch und durch..." na wer kennt's?) für einen anderen Stoff mit einem Großraummotiv. Also auf gut nähdeutsch ein Sack, aber bitte ein kleidsamer. Entsprechende Schnitte in der Knip gibt es immer mal wieder und am Model sehen die auch immer toll aus. So recht die Traute hatte ich bisher kaum die für mich zu nähen, irgendein Versuch scheiterte auch mal. Nun gut, ich entschied mich jetzt für einen Schnitt mit einem hübschen Ausschnitt mit Fältchen und einem mit Band gestalteten Guckloch.  Nachdem ich Raven ja auch tragen kann, dachte ich mit einem gut fallenden Jersey würde das schon gehen. Und siehe da, geht auch!


Bei der Länge bin ich etwas unschlüssig, vielleicht beim nächsten zwei cm mehr. Und insgesamt ist es recht weit, der Schnitt ist für Webstoff. Kann ich also etwas mehr wegnehmen. Aber ansonsten: Sehr bequem, passt zum Stoff, mag ich auch an mir. Die Ärmel sind eingekräuselt, das mag ich auch. Versuch gelungen! Sehr alltagstauglich.
Der Schnitt ist aus einer älteren Knip, die Ausgabe Januar von 2014. Das Kleid gibt es hier im Knipmode-Shop


Mehr noch überlegen und prüfen musste ich meinen Wunsch nach einer Villette Jacke aus der Maison Victor von Januar-Februar 2017. Die Jacken aus der Maison Victor gefallen mir oft sehr gut, aber passen doch eher über schmale Schnitte, jedenfalls dachte ich das bisher. Und ich trage ja oft Kleider mit ausgestellten Röcken. Die Jacke Chloe habe ich z.B. auch angeschmachtet, als sie rauskam, aber fand, daß ich wirklich nichts dazu anziehen könnte.


Die Jacke Villette ist weiter geschnitten, mit überschnittenen Ärmeln, endet aber recht schmal. Ich habe sämtliche Nähergebnisse im Internet die ich finden konnte studiert. Immer mal wieder. Dafür ist Instagram dann auch ganz gut, die Suche mit Hashtag funktioniert super, wenn man was genaues sucht (z.B. #manteauvillette eingeben). Vor allem im französischsprachigen Bereich wurde die Jacke häufig genäht und dann gibt es noch einen ähnlichen Schnitt von einer anderen Firma. Fast alle Exemplare die ich sah, fand ich zu kurz für meine Bedürfnisse. Die überschnittenen Ärmel hingegen sahen toll aus, garnicht bollerig oder so. Ansonsten fand ich, die Jacke geht eher mit Schal als ohne.
Das hiess für mich: Oben so lassen, locker 10 cm länger zuschneiden und unten etwas weiter, damit es nicht an der Hüfte plötzlich eng wird. Ich wollte eher einen Mantel als eine Jacke.
In Bochum hatte ich bei Alfatex einen tollen Stoff genau für diese Jacke gefunden. Taupe, meine Lieblingsfarbe, dick und kuschlig, es ist eine Art Wollfleece, also gestrickt und dann auf einer Seite aufgeraut.


Nochmal drei Tage überlegt, aber dann habe ich zugeschnitten. So hatte ich ihn als Zweitprojekt mit nach Bielefeld genommen im März. Dann passierte eine Weile garnichts, aber als es dann plötzlich wieder so kalt wurde, wollte ich genau so eine Jacke gerne haben und letzte Woche ist sie dann endlich fertig geworden.
Das Nähen ist völlig simpel - für einen Mantel. Die Taschen sind aufgesetzt, lediglich den Kragen muss man halt einsetzen, aber das war auch alles an Herausforderung. Die Ärmel sind fast wie angeschnitten und lassen sich annähen, bevor die Seitennähte geschlossen sind.


Das Futter hat mich dann allerdings noch einige Nerven gekostet, denn ich habe normales (nicht dehnbares) genommen, der Oberstoff hatte aber dank seiner Strickstruktur beim Zusammennähen schon ordentlich nachgegeben. So passte das überhaupt nicht mehr zusammen. Also habe ich im Futter einiges an Extra reingebastelt und am Aussenstoff ein paar c m wieder weggenäht.
Dann noch die Portion Handarbeit, die so ein Stück halt fordert. Ich mache das ja gerne, aber vergesse immer, wieviel Zeit es doch kostet.


Jetzt bin ich sehr glücklich über meine Jacke. Sie ist total kuschelig und sehr leicht, anders als die Wintermäntel, die man jetzt wirklich nicht mehr rausholen möchte. Und der lässige Stil gefällt mir sehr gut.
Schnitt: Jacke Villette aus La Maison Victor, verlängert, zweiter Knopf.
Stoff von Alfatex aus Bochum, Wollgemisch
Futter aus Verl