4.10.15

Kleines Schulterpolster-Tutorial für den Winterjacken-Sew-Along

Herzlich willkommen auf meinem Blog! Ich möchte Euch ein bisschen was zum Thema Schulterpolster erzählen!
Meine Erfahrung beruht auf einigen Mänteln und Jacken und ich habe sowohl gekaufte als auch selbst gemachte Schulterpolster verarbeitet.

Z.B. hier an meinem Mantel aus dem Sew-along 2012:

So sieht es aussen aus

Und das ist die Innenansicht, ein selbstgemachtes Schulterpolster aus Mantelstoff und Volumenvliess

Hier habe ich sogar einmal mit der Maschine rundumgenäht, dadurch wird der Rand flach.

Schulterpolster sind ein kleines und eigentlich unverzichtbares Detail an allen Jacken- und Mäntelschultern. Sie gehören zum teilweise recht komplizierten Innenleben von Jacketts und Blazern und sind aber einfach "einzubauen", im Gegensatz zu manchen aufwändig einzuarbeitenden Verstärkungen der Jackenvorderseite z.B.
Ich würde nicht leichtfertig sagen "Schulterpolster brauche ich nicht" und sie einfach weglassen. Das Polster sorgt an der kritischen Stelle Ärmelansatz dafür, daß die Jacke dort nicht einbricht und die Naht immer nach aussen gewölbt ist. Ausserdem sind die Schnitte meist so konstruiert, daß sie ein Polster brauchen, ohne sind sie zu groß für die Schulter.
Man kann auch kleine dünne Polster selbst erstellen oder sich Schneiderschulterpolster kaufen und die zurecht schneiden, dann hat man kein dickes Schaumstoffteil auf der Schulter oben auf sondern nur eine kleine Verstärkung an der richtigen Stelle.
Ich habe bei Mänteln gerne aus dickem Mantelstoff selbst welche gebastelt, das geht schnell und kostet nichts.
Dafür schneidet man abgerundete Dreiecke aus Reststücken Stoff aus, kann auch ein anderer Stoff als der gerade verarbeitete sein, dicker Stoff ist gut. Eine gerade Kante für die Ärmelansatznaht, ein zu einer Seite leicht flacherer Hügel, der zeigt in Richtung Hals, das flachere, längere Teil kommt zum Rückenteil hin. Davon mehrere (mindestens drei) immer kleiner werdend, dabei bleibt aber die gerade Linie der Ärmelansatznaht immer gleich.
Diese Teile näht man über einer Rundung, z.B. dem Handrücken oder der Schulter einer Schneiderbüste locker zusammen, die gerade Kante genau aufeinander treffend, unten beginnend mit dem kleinsten, das größte liegt obenauf. Die immer größer werdenden Teile machen einen Verlauf in der Dicke in Richtung Halsausschnitt und Rücken- bzw. Vorderteil.
Wer es dicker haben möchte doppelt mit Volumenvliess bis zur gewünschten Dicke, wer ein dünnes Polster braucht, nimmt nur Stoff in drei Lagen. So kann man sich sein Schulterpolster ganz nach den eigenen Wünschen zusammenbasteln.


So ähnlich sollten die Teile aussehen

Übereinandergelegt von groß nach klein

Auf dem Handrücken, das größte liegt oben. Jetzt kann man es zusammennähen.

Ich habe mir irgendwann einen Vorrat an einfachen Schneiderschulterpolstern zugelegt, diese sind ähnlich hergestellt, allerdings aus einer Art Filz mit Watte oder sowas dazwischen. Auch hier gibt es eine längere Seite die in Richtung Rücken gehört, also jeweils ein rechtes und ein linkes Schulterpolster. Ich nehme meist eine ganze Lage weg und schneide das Polster dann kleiner, ich brauche sie nicht so dick und groß. Schaut mal beim großen Auktionshaus, man bekommt sie für sehr wenig Geld, da kann man auch mal eins verschneiden, wenn man ausprobieren möchte.




Zum Einnähen wird das Polster mit Handstichen auf der Nahtzugabe der Ärmelansatznaht befestigt. Da die in der Regel in den Ärmel reingebügelt wird geht das gut.
Das Schulterpolster wird ein Stück weit in die Ärmelkugel reinragend festgenäht, dadurch bleibt diese dann in Form. Ich würde das im Zweifel ausprobieren, Handstiche hat man ja schnell wieder aufgemacht. Näht es fest und probiert die Jacke an. Sieht es natürlich aus? Steht es raus, sieht man die Kontur des Polsters? Dann vielleicht ein Stück versetzen.
Wenn die Position stimmt, fixiert man es noch in Richtung Halsausschnitt auf der Nahtzugabe der Schulternaht. Danach auch lieber nochmal kontrollieren durch anprobieren.

Was für eine gute Form an dieser Stelle noch helfen kann ist eine Wattierung der Armkugel, ein einige Zentimeter breites Stück Vliese o.ä. was die Armkugel "ausstopft". Es soll nicht auftragen, sondern nur die Kugel daran hindern nach innen einzuklappen. In manchen Schnitten habe ich das schon als extra Schnittteil gesehen, man kann es aber leicht selbst erstellen: Einfach ein Großteil der Armkugelrundung vom Schnitt abnehmen und ca 4cm breit wie einen gerundeten Streifen aus Volumenvliess, Wattierung oder dickem Mantelstoff zuschneiden. Dieses Teil wird auch auf der Nahtzugabe befestigt und ragt in Richtung Ärmel.

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Euren Jacken- und Mantelprojekten!
Viele Grüße von Katharina

Dieser Post wurde hier im MMM-Blog verlinkt.

Kommentare:

  1. Danke für das Tutorial! Ich habe noch eine Frage: Kommt das Schulterpolster bei gefütterten Mänteln eigentlich zwischen Oberstoff und Futter oder in den Mantel innen rein, also auf das Futter drauf? Bei meinem Schnitt (Butterick) soll man es innen in den gefütterten Mantel einnähen, aber mir erscheint das irgendwie seltsam, oder vielleicht verstehe ich die Anleitung auch falsch?

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank, da kann ich mal üben die Schulterpolster selbst zu machen. ich habe bisher immer nur gekaufte verwendet.
    Viele Grüße
    Sylvia

    AntwortenLöschen
  3. Danke sehr, Katharina, das ist sehr anschaulich erklärt.
    Schulterpolster selbst herzustellen, gefällt mir gerade sehr; denn ich habe recht breite Schultern, bin aber auch der Ansicht, dass in einen Mantel Schulterpolster unbedingt hineingehören.
    Bisher habe ich auf gekaufte Polster zurückgegriffen, aber diesmal probiere ich deine Methode aus.
    LG von Susanne

    AntwortenLöschen