Eigentlich müsste es heute bei mir heissen MeMadeFreitag, ich habe mir nämlich ein Karfreitagskleid fürs Konzert genäht, andere nähen sich Osterkleider aber bunt kann ja jeder. Die Kennerin sieht sofort, es handelt sich um das Coatdress aus
Gerties Buch.
(Apropos, hat eigentlich irgendwer die neu erschienene deutsche Ausgabe und könnte was zum Inhalt sagen? Wurde was geändert??)
Um die folgenden Lästereien ein wenig abzumildern muss ich gleich vorweg sagen: Das Kleid ist ne Wucht!
Selten habe ich mich sofort so wohl in einem Kleid gefühlt. Und das, obwohl ich beim Stoff ein bisschen Schiss hatte (mit Wolle, eigendlichnichsomeins), einige Stellen ziemlich pfriemelig beim Nähen waren und nur irgendwie was wurden und auch jetzt noch zweidrei Sachen nicht perfekt sind.
Was den Schnitt betrifft, ich war ja gewarnt. Ein bisschen kam es mir vor wie bei "Wir haben fünf kleine Fehler versteckt, findest Du sie?"
Dazu kamen dann noch hausgemachte Spielchen, wie, "Zuschneiden mit viel zuwenig Stoff" und "Kopiere bei einem Teil die falsche Größe heraus und versuche es trotzdem einzusetzen." Was ein Spaß.
Am Ende hat sich doch alles ganz gut gefügt. Um es kurz zu machen: Die Rockteile passen irgendwie nicht an das zusammengesetzte Oberteil. Das haben andere vor mir auch schon gemerkt, ich dachte ich bin schlau und messe vorher dreimal nach und mache zudem eine Stütznaht in die Taillennahtzugaben, es hat aber trotzdem nicht hingehauen. Was nicht schlimm ist, man kann beim Rock ganz gut Weite zu oder abgeben (WENN MAN bei der Länge was zugegeben hat, er ist nämlich recht kurz auf dem Schnittbogen!)
Mein zu klein rauskopierter Ärmel hat so dermassen nicht in das Armloch gepasst (was hier nicht sooo schlimm ist, weil die Armkugel Falten hat, aus denen ich die fehlende Weite nehmen konnte), daß ich gespannt bin, ob denn der neu rauskopierte Ärmel beim nächsten Kleid gleich passen wird.
Ärgerlich finde ich, daß im vorderen Oberteil keine vordere Mitte angegeben ist, wie sehr sowas irritiert merkt man erst wenn es fehlt. Zudem sind die Knöpfe nicht eingezeichnet (die Knopflöcher schon), man muss also ein bisschen überlegen und die Teile übereinanderlegen eh man die anzeichnen kann, das gilt auch für das Rockteil. Auch andere Teil bereiten erstmal Kopfzerbrechen, so sind die Rockteile übereinander gedruckt auf dem Schnittbogen und bei den Fadenlaufpfeilen steht nicht dabei, für welches Teil sie gelten, mannmannmann.
In echt sieht man übrigens nicht so stark, daß der Gürtel aus einem anderen Stoff ist.
Auch immer wieder schön: In der Zeit verschätzen und unter größtem Druck in letzter Minute fertig werden. In diesem Fall 10 Minuten vor Abfahrt, gerade noch genug um den Tee zu kochen und die Sachen zu richten, puh! Vor allem in der Saumweite und der daraus resultierenden Dauer der Handnäherei hab ich mich gründlich vertan. Die Knöpfe hab ich dann schnellschnell drangepfriemelt und heute nochmal richtig angenäht.
Der schwingende Rock ist klasse:
Die Ärmel werden beim nächsten etwas weiter. Geändert habe ich übrigens die Weite zwischen Ärmel und Brust, andere Änderungen die ich sonst immer machen muss waren hier dafür nicht nötig, im oberen Rücken ist ausreichend Weite und die Schulter war eigentlich auch kaum zu breit.
Wegen der Angst vor dem etwas kratzigen Stoff (der sich aber super für dieses Kleid eignet, schwer und gut fallend) habe ich es im Oberteil gefüttert. Ausser den Belegen habe ich nichts weiter verstärkt. Der Ausschnitt ist für meine Verhältnisse recht hochgeschlossen, macht sich aber gut für in kalten Kirchen (Stichwort Karfreitagskonzert, dieses Jahr mitten im tiefsten Winter).
Jetzt brauche ich dringend noch eins in alltagstauglichen Farben. Ich habe auch vor den Kragen ein wenig zu modifizieren, mal sehen ob es klappt. Ich wollte gestern hochmotiviert zuschneiden, aber ich habe Stoff bestellen müssen, jetzt habe ich wirklich keinen passenden Stoff in der richtigen Menge mehr da.