22.7.13

Vintagekleid in dunkelblau

"Dunkelblau was my first love.... and it will be my last..." Also ich muss jetzt erstmal was zu meiner eigentlichen Lieblingsfarbe schreiben, dunkelblau! Das hatte ich in den letzten Jahren nämlich irgendwie verdrängt. Seit der Verlagerung des Stoffeinkaufs vom realen Geschäft in den virtuellen Shop ist einfarbiges Stoffe kaufen reichlich unsexy geworden und ich kann mich fast garnicht dazu überwinden. Kein Wunder, auf den kleinen, rechteckigen Shop-Bildchen lässt sich ja auch kaum etwas wahrnehmen, jeder Uni-Stoff wird zum Farbfeld und scheidet bei der Auswahl durch schiere Langeweile aus. 
Sehr dumm, wie ich so langsam feststelle, denn eigentlich liebe ich einfarbige Kleidungsstücke sehr, gerade wieder beim Sew-Along war ich auf jeden der Uni-Bombshells irgendwie neidisch, ich albernes Huhn. Hatte ich doch selber alle Unis als untauglich ausgeschlossen und mir den Zackenstoff rausgesucht.
Nun gut, wir lernen also alle nicht aus und ich gelobe, mich mal auf meine alten Vorlieben zu besinnen. Zu späten Teeniezeiten trug ich meistens weiße Blusen zu dunkelblauen Hosen, alles selbstgenäht (ich alte Angeberin, jaja. Die Blusen z.T. aus alter Bettwäsche, mit Spitze, hach) Ich erinnere mich an eine Chorfreizeit, auf der ich wie gewohnt den Inhalt meines Koffers luftig am Fußende des Bettes verteilt hatte und auf das morgendliche Gejammer, ich wüsste nicht was ich anziehen sollte, meine Zimmergenossin lachend ein Teil nach dem anderen hochhob und rief "des is ja auch echt schwierig: dunkelblau, weiß, dunkelblau, weiss, dunkelblau..." Muss ich immer dran denken, wenn ich sie sehe, hihi.



Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Post: Das Vintagekleid

Als Cat neulich dieses Modell gezeigt hat, war es (mal wieder) um mich geschehen. Gleichzeitig wusste ich, dass ich das Kleid schonmal irgendwo gesehen hatte, nämlich hier.  
Ich finde den Schnitt ganz wunderbar, die Größe ist ziemlich perfekt als Vintagekleid-Ausgangsgrösse, das schien eine einfache Aufgabe zu sein. Ich war aber etwas unglücklich mit der Stoffkombination und der weißen Kontrastfarbe, damit würde es für mich zu unalltäglich werden (Cat hat ja auch schon von der Auffälligkeit geschrieben) und das wollte ich nicht. Ich hab schon ein blauweißes Anlasskleid, ein zweites brauche ich nicht, es gibt auch gerade garkeinen Anlass. Ich wollte lieber sowas dazwischen, schick, aber auch mal für so. Vielleicht ein Sonntagskleid.
Eine andere Stoff-Kombination fiel mir ums Verr*cken nicht ein (kennt ihr das? man überlegt tagelang, was der beste Stoff wäre), der Kragen aus einer anderen Kontrastfarbe als weiss käme mir seltsam vor und zu weiss geht irgendwie auch nicht alles. Rot zu weiss fände ich auch irgendwie toll, aber damit wird es ja noch auffälliger... Warum also nicht einfach das ganze Kleid im gleichen Stoff? Der Plan war schliesslich ein schmal hellrot gestreiften Stoff (schon wieder gemustert, ihr merkt schon...), den ich in der Sale-Kategorie von Hemmers gefunden hatte. Zu der eigentlichen Stoffwahl wanderten noch andere Stoffe in den Warenkorb, wie man das halt so macht. U.A. auch ein dunkelblauer leichter Hosenstoff aus BW, ich weiß schon garnicht mehr, für was ich den eigentlich vorgesehen hatte.
Als das Päckchen ankam hielt ich den dunkelblauen Stoff in den Händen und wusste plötzlich wieder, wie gut ich mich in dunkelblauen Kleidern fühle.




 
Gesagt, getan, hier ist das dunkelblaue Vintagekleid, sehr gut tragbar mit dunkelblauem Kragen und Ärmelaufschlägen. Geguckt wird übrigens trotzdem ;-) 
Ich finde, die einfarbige Variante auch sehr erstrebenswert, was meint ihr?
Dazu meine neuen, bei e*ay heiß erkämpften Softclox in GRÜN(!!!), ich liebe sie! Damit ist das Outfit reichlich deckungsgleich mit Cat, man möge es bitte verzeihen.





Hier noch eine Nahaufnahme der weißen Knöpfe, in meiner Vintage-Knopfsammlung fanden sich genau fünf dieser hübschen Dinger, offensichtlich haben die auf das Kleid gewartet.
 
Der Schnitt ist, ich nehme es vorweg, nix für Feiglinge. Aber es lohnt sich! Mit Näherfahrung bekommt man ihn schon geregelt. Schwierig ist er m.M. nach, weil einige Details heute einfach anders konstruiert werden und das einiges Kopfzerbrechen bereitet. Eine Anleitung gibt es ja eigentlich nicht, man braucht schon eine Portion Mut zum Scheitern, wenn man ein Teil einfach mal annäht um zu gucken, ob sich der Knoten im Hirn vielleicht anschliessend in Luft auflöst.

Vielen Dank an Neu4bauer für den kostenlosen Schnitt! Das Kleid ist wirklich toll und besonders und ich bin sehr glücklich mit meinem!

(Kleiner Einschub: Neulich beim rumgucken auf der Knipmodeseite fiel mir dieses Kleid auf, Kragen und Knöpfe dazu konstruiert und schon hat man ein ähnliches Hinguckerkleidungsstück! 

Ich habe hier natürlich auch mit dem Basisschnitt gewerkelt und ich zeige Euch auch mal die Fotos die ich gemacht habe. Ich muss aber dazu sagen, dass ich keine Punktlandung gemacht habe und nochmal nachkorrigieren musste. (Evt. bin ich zu anspruchsvoll?) Aber Versuch macht kluch und so langsam bekomme ich auch hier Vertrauen in mein Tun (und weiß auch, dass ich am Basisschnitt nochmal rumschnibbeln muss, aber das ist für hier mal fast egal)

Hier ein Blick auf einige Änderungen:

Das rote gezeichnete ist mein Basisschnitt (aus Folie). Zu vernachlässigen ist die Höhe, allerdings nicht die Rundung der Taillenlinie nach oben für das Hohlkreuz. Außerdem wollte ich auch da gerne einen Abnäher.
Im Original ist mir der Halsausschnitt zu eng, der angeschnittene Arm und die Schulter etwas zu weit.

So habe ich dann zugeschnitten, das blaue ist mein Schnittteil. Am Ende war das Kleid in Höhe der Taille ein ganzes Stück zu weit. Ich hatte die Taille nur vorsichtig angepasst, weil ich nicht genau wusste, ob der Schnitt eine ganz enge Taille verträgt (der Basisschnitt ist ja engstmöglich) und enger nähen geht ja immer noch.

Hier beim Vorderteil ist Basisschnitt (rot) UND fertiges Schnittteil (blau) aufgelegt, wie man sehen kann, habe ich den Halsausschnitt entsprechend dem Rücken weiter gemacht, zusätzlich zum seitlichen Brustabnäher (bei dem ich den Brustpunkt ein Stück nach unten verlegt habe) noch einen vertikalen eingebaut und auch hier den "Ärmel" etwas verschmälert. Angeschnittene Ärmel sind ja ein Sonderfall, deshalb habe ich lieber großzügig Weite nach oben gelassen (dieser Bereich ist bei mir sonst immer zu niedrig, weil meine Schultern so hoch sind. Hier habe ich mich also eher gewundert, dass ich das kleiner korrigieren konnte)
Interessant fand ich, dass statt eines vertikalen Abnähers diese seltsame Rundung in der Seitennaht ist. Das funktioniert wohl eher nur bei weichen Stoffen.
Im Nachhinein hätte ich den Halsausschnitt auch nach unten hin noch weiter machen können, vielleicht bis kurz vor den Knöpfen. Und wie zu Erwarten war, ist die Taille so zu weit (Vergleich Vertikale Abnäher rot und blau)

Der geänderte Halsausschnitt erfordert eine entsprechende Änderung am Kragen, ich habe den neuen Ausschnitt abgemessen (bis zu den Ecken soll er in den hinteren Halsausschnitt eingenäht werden) und die entsprechende Weite zugegeben.
Am Rock habe ich ähnlich geändert, das ist wie ihr euch denken könnt weniger aufwändig, Weite korrigieren, hinten die Taillenlinie nach unten wegen des Hohlkreuzes, das war es. Ich bin auch da auf Nummer sicher gegangen, weniger geht ja immer noch.
 Außerdem habe ich die Ärmelaufschläge etwas "entschärft", sie sind an der spitzen Stelle einfach nicht so hoch wie original. Ich habe sie ausserdem von innen mit ein paar Stichen fixiert, sonst guckt man dauernd, ob sie noch richtig sitzen.
Beim Zusammennähen war ich irgendwann so in Eile, dass ich vor Annähen des Rockes vergessen habe zu kontrollieren, ob die Taille ok ist. Damit passte der Rock ü-ber-haupt nicht ans Oberteil und ich hab ihn oben ein ganzes Stück abgeschnitten. So, jetzt wisst ihr auch, warum mein Kleid viel kürzer ist als die anderen ;-)
Die Fummelei mit den Falten lasse ich jetzt mal unerwähnt, die sind in Kombination mit den Knöpfen aber natürlich der Hingucker bei dem Kleid.
An der Taille habe ich dann wie gesagt ein Stück abgenäht und jetzt ist das Kleid trotz des etwas steifen Stoffes sehr bequem und luftig, man schwitzt eigentlich nicht darin und hat doch bedeckte Schultern. Ich liebe es!!!
 
Und dann wäre da noch der Ohrwurm, der in meinem allerersten Satz gemeint war und der im Original natürlich genausogut zu meinem Leben passt:

 


 

Kommentare:

  1. wow, während ich noch mit dem Schicksal der nicht nähenden Maschine hadere, nähst du schon wieder das nächste Schmuckstückchen. Echt toll!!!

    Bewundernde Grüße

    Katrin

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  2. Wow, das ist schön geworden. der Schnitt gefällt mir sehr gut und ist mal etwas anderes. Veilleicht werde ich ihn auch mal nähen. im Moment liegen hier allerdings vier Schnitte inkl. Stoff und ich kann mich zum Nähen nicht motivieren
    Sommerliche Grüße
    Nina

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  3. Liebe Katharina,

    ich würde gerne mal ein Abiballkleid bei/mit dir nähen. :-) Das Abitur ist freilich mehr als 20 Jahre her und ein Ballkleid brauche ich gar nicht. Aber ich lese deine Nähberichte sehr gern. Und ich hoffe, irgendwann auch ein Stück Erfahrung gesammelt zu haben. Noch liegt mein blauer Kleiderstoff mit einem ganz einfachen Schnitt da, während ich dann doch noch eine Tasche oder 3 Kissen nähe. Vor Kleidung habe ich einen Heidenrespekt...

    Danke für den Hinweis auf den kostenlosen Schnitt. Die einfarbige, kürzere Variante finde ich sehr gelungen. Wäre ganz mein Geschmack. Kann es sein, dass der Link auf die Knipmodenalternative nicht zu Knip führt?

    Viele Grüße
    Geertje

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  4. Das Kleid ist sehr schön, die Passung ist genial. In Uni finde ich es auch sehr ansprechend, nach deinem tollen Beispiel würde ich auch eher einfarbig und ohne Kontrast nähen - wobei rot/weiß gestreift auch sehr passend, aber auch sehr retro wäre.
    Mir geht es übrigens beim Stoffekauf ähnlich - glücklicherweise finden sich dann in meinen so geliebten Restetüten immer mal wieder Unistoffe.

    Liebe Grüße
    Julia

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  5. Ja, so isses. Uni ist leider völlig unterbewertet.
    Das liegt sicher auch daran, dass kleine Ungereimtheiten bei gemusterten Sachen nicht so ins Gewicht fallen. Bei so einem einfarbigen Stoff muss jede knappkantige Absteppung so genau sitzen wie bei deinem wunderbaren Exemplar.
    Steht dir gut!

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  6. Hach, ich finde es so toll! Ich hätte wohl auch ewig nach Kontraststoffen gesucht, dabei sieht Uni doch so schön aus.
    Schöner Post übrigens und mit dem onlinekaufen von Unistoffen gebe ich Dir absolut recht: laaaaangweilig!
    Liebe Grüße
    Tina

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  7. Ich finde es wundervoll in dunkelblau - auch eine meiner Lieblingsfarben. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist es definitiv alltagstauglicher als meine Variante (vielen Dank fürs Verlinken!!), die ich bisher immerhin 1x getragen habe ...
    Jetzt bin ich ganz stark in Versuchung, mir auch so ein herrliches, dunkelblaues, einfarbiges Kleid zu nähen.
    Liebe Grüße, Bettina

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