21.8.13

Schulkind Nr. 2

Gestern war der heissersehnte Einschulungstag für den offensichtlich doch nicht mehr so kleinen Sohn Nummer zwei. Heissersehnt war er eigentlich vor allem von ihm, wenn man mal davon absieht, daß ich zuletzt das Ferienende auch ziemlich sehnsüchtig erwartet habe, damit diese Kinder mal wieder etwas ausgelasteter sind.
Aber daß mit dem Schulanfang der Kindergarten so plötzlich ganz vorbei ist nimmt mich offensichtlich mehr mit als meine Kinder. Ich fand diesen, unseren Kindergarten nämlich ziemlich toll und war im Laufe der Kindergartenjahre immer mehr glücklich, daß die Jungs dort so gut aufgehoben sind. Großartig ausgesucht hatten wir ihn eigentlich nicht, er war halt in der Parallelstrasse unserer alten Wohnung, ich bin da eher pragmatisch. Ein gewöhnlicher Stadtkindergarten, sehr alte Institution, wir hatten 125-Jahrfeier letztes Jahr(?), das Gebäude ein ins Umfeld passender Altbau, der Garten eigentlich viel zu klein. Aber irgendwie machen sie das beste draus, es gibt erstaunlicherweise drei männliche Erzieher(!) bei vier Gruppen, trotz des wenigen Platzes haben beide Kinder dort Fahrrad fahren gelernt, mit Holz gewerkelt, die Talente wurde erkannt und genossen.
Und vor allem: Die Kinder wurden genommen wie sie sind.
Das finde ich viel wichtiger als alles sonstige Bohei, was in Kindertagesstätten heute zum Standard gehört wie Fahrten zum Bauernhof und in den Wald und nach sonstwo (die es natürlich genauso gab und gibt).
Beim Abholen blieb man als Eltern oft noch eine Weile sitzen und hat den Kindern beim Toben zugesehen oder beim Vorlesen zugehört. Auch als Leo schon längst in der Schule war wurde er immer freudig begrüsst und war sofort beim Spiel dabei, im ersten Jahr durfte er sogar in den Ferien ab und an einen Nachmittag dort bleiben, das Kind war selig und die Erzieher freuten sich, ihn mal wieder da zu haben.
Vielleicht ist das alles auch selbstverständlich, viel Vergleich habe ich ja nicht. Ich jedenfalls war ziemlich zufrieden dort (alles ist bestimmt nirgendwo perfekt) und werde einige der Erzieher ehrlich vermissen, natürlich vor allem für meine Söhne. Der große hatte die letzten zwei Jahre den Vorteil, daß er als älteres Geschwisterkind beim Abholen fast jeden Tag noch hallo sagen konnte, jetzt hoffe ich, daß ich mit Julius auch Gelegenheiten finden werde, auf einen Sprung vorbei zu schauen, damit der Kontakt noch eine Weile erhalten bleibt.
Jetzt im Moment ist für ihn die Schule natürlich viel spannender und es war auch im Sommer schon so, daß er zu Beginn der Schulferien nicht mehr dazu zu bewegen war, nochmal in den Kindergarten zu gehen, Leopold war ja schliesslich auch zu Hause.
So haben wir unsere eigene Verabschiedungszeremonie auf den ersten Schultag, also Montag verschoben, die Einschulung war erst Dienstag.


Ich hatte mir überlegt, daß ich einfach allen Erziehern eine Kleinigkeit schenken wollte, erstens waren die zwei Kinder in ihrer KiTa-Laufbahn in insgesamt drei von vier Gruppen und zweitens sind sie durch das halboffene System nachmittags sowieso durch das ganze Haus getigert, irgendwie hatte jeder Erwachsene im Kindergarten mit Ihnen mehr oder weniger zu tun.
Ich habe für alle kleine Täschchen genäht und bestickt, auf ein einziges Motiv konnte ich mich nicht festlegen, ich bin bei sowas immer sehr besorgt, ob das von mir ausgewählte auch ankommt. Die Rückseiten habe ich aus unterschiedlichen Stoffen zugeschnitten, damit für jeden Geschmack was dabei ist. Ich habe eine Auswahl von vier verschiedenen Motiven gestickt, für die Herren die Gitarren, für die Damen Pusteblumen, Roboter und ein Tattoomotiv mit Vögeln und Anker. (Alle Motive sind von Urban Threads)
In die Täschchen kam dann noch ein wenig Nervennahrung in Form von Merci-Minis.
Julius habe ich ein Körbchen mit Süssigkeiten für die Kinder in die Hand gedrückt und so bewaffnet sind wir dann am Montag in den Kindergarten marschiert. Zu meiner ehrlichen Freude haben sich die ErzieherInnen auch wirklich sehr über ihre Täschchen gefreut, sogar die Männer waren ganz begeistert. Julius hat für jeden eins ausgesucht und nochmal ein paar Worte gewechselt, es war schon Nachmittag, so hatten die Erzieher entspannt Zeit für ihn bzw. uns.
Alle waren natürlich nicht da, so haben wir die Täschchen für die Fehlenden dort gelassen, aber auch versprochen bald zu Besuch zu kommen. Adieu, all ihr lieben Leute im Kindergarten!


Gestern war dann also die Einschulung, nicht wirklich spektakulär, ich fand sie schon bei ersten Kind inhaltlich eher schlicht, für das Kind aber natürlich sehr aufregend. Er ist mit einigen Kindergartenfreunden zusammen in der Klasse, das freut mich für ihn.
Bei uns in der Kleinstadt gibt es das bescheuerte (Verzeihung) System, daß mehrere Grundschulen eine Klasse als bilinguale Klasse (hier französisch, wir wohnen ja nah an der Grenze) anbieten. Die Vorteile (falls es überhaupt welche gibt) dieser Sprachförderung mal völlig ausser Acht gelassen hat das vor allem eine Konsequenz, nämlich daß alle Akademiker u.ä. mit aller Macht versuchen, ihr Kind in eine solche Klasse zu kriegen, die Plätze sind natürlich begrenzt. Ich kenne Fälle wo Geschwister aus diesem Grund auf unterschiedliche Schulen gehen. Was dadurch in den anderen Klassen passiert, muss ich nicht groß erwähnen. Wir hatten jedenfalls in der KiTa eine schöne, bunte, gut funktionierende Mischung aus vielerlei Staaten, vor allem haben wir in Landau viele Tamilen, um mal einen Schwerpunkt zu nennen, das ganze schöne Miteinander, profitieren voneinander, vorbei.

Ab der Grundschule wird also selektiert, nennen wir es mal beim Namen.
Auch Leopold hätte ich gerne in einer Bilingual-Klasse gehabt (man hat ehrlich gesagt keine wirkliche Wahl), aber wir hatten das Problem, dass wir kurz nach der Schulanmeldung umgezogen sind, nur ein paar Strassen weiter, und damit eigentlich zu einer anderen Schule hätten wechseln müssen. Dieses verbindliche System mit Schulzugehörigkeiten war mir als Erstklässlermutter nicht klar und bis wir dann den Schulwechsel zur zuerst zuständigen Schule zurück beantragt und bewilligt bekommen haben war der Zug mit der Französich-Klasse natürlich abgefahren.
Natürlich waren in der Nicht-Bilingualen Klasse dann auch nette Schüler, aber auch einige, die aus nicht ganz unproblematischen Verhältnissen stammen. Ausserdem war die Klasse sehr klein, was auch nicht nur Vorteile hat. Leopold ist ein eher stilles, vielleicht etwas eigenwilliges Kind und es gab Zeiten, in denen hatte er es mit seinen Klassenkameraden nicht ganz leicht. Sein bester Freund dort ist dann auch noch weggezogen und da hat er mir wirklich sehr leid getan, so ganz seine Kragenweite ist einfach nicht dabei und das tut dem liebenden Mutterherz doch wirklich sehr weh. Der Wegzug des Freundes war vor eineinhalb Jahren war schon schlimm für ihn, mittlerweile geht es ihm aber wieder ziemlich gut denke ich. Die Klassen sind zu diesem Schuljahr neu zusammengestellt worden und jetzt größer, bisher wirkt er sehr zufrieden, gottseidank!
Aufgrund dieser nicht so tollen Erfahrung der letzten zwei Jahre habe ich natürlich umso mehr Sorge gehabt, daß der zweite Sohn diesmal das Glück hat, die Französisch-Klasse besuchen zu dürfen und das hat dann auch geklappt. Jetzt ist da eine ganze Rasselbande aus der KiTa zusammen die sich gut kennt, auf jeden Fall ist das für uns Eltern eine echte Erleichterung. Ob das auch für die Lehrer gilt, wird sich noch zeigen...
Kind Nummer zwei ist also nun ein glückliches Schulkind, "Endlich geh ich in die Schule", hat er heute gesagt. Plötzlich kann er morgens auch ganz schnell aufstehen und sich anziehen, wer hätte das gedacht. Die Mama hingegen hat fast eine bisschen einen Kloß im Hals, wenn sie den kleinen Mann im Klassensaal abliefert. Warum ist mir das beim ersten Kind eigentlich so leicht gefallen?
Viel Spaß in der Schule, mein Sohn!


Kommentare:

  1. Ja man ist als Eltern meist mehr aufgeregt als das Kind selbst ;) und ja, ich kenne deine Gefühle bzgl. des Kindergartens, den man lieb gewonnen hatte... der Angst, wie wird das Kind in der Schule zurecht kommen usw. sehr gut.
    Aber lass dir gesagt sein, die Entscheidung für die Grundschule ist rückblickend ein Klacks gewesen... die richtig harte Nuss kommt mit der weiterführenden Schule. Da setzt man Weichen, die wirklich größere Auswirkungen auf den Werdegang des Kindes haben. Ich bin sogar der Meinung, das dies die wohl schwierigste Entscheidung ist, welche man jemals als Eltern für das Kind treffen muss.
    nach einem Jahr weiterführender Schule kann ich zum Glück sagen - wir haben (in gemeinsamer Entscheidung mit dem Kind) alles richtig gemacht. Ich wünsche euch, dass ihr das auch immer sagen könnt.
    Liebe Grüße Doreen

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  2. Oh ja, Anusch hat das ganz richtig beschrieben.
    Getoppt wird die Wahl der weiterführenden Schule dann noch von der Entscheidung für einen Beruf- aber damit haben die Eltern dann im besten Fall weniger zu tun. In meinem Umkreis wimmelt es gerade vor frischen ratlosen Abiturienten......
    Die Entscheidungsmöglichkeiten Kita-Grundschule-weiterführende Schule-Beruf potenzieren sich jedesmal.

    Deine Täschchen sind ganz zauberhaft und ich kann mir auch die Freude deines Sohnes vorstellen, das verschenken zu können.
    Ich wünsch euch allen eine entspannte Schulzeit.

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  3. Liebe Katharina,
    Du hast da einen ganz tollen Satz über die Erzieher in Eurer Kita geschrieben : "die Kinder wurden genommen wie sie sind". Das ist leider mittlerweile die Ausnahme, meistens müssen die Kinder eher so sein, daß sie in die aktuellen Fortbildungen der Erzieher passen oder sonstige Normierungen erfüllen...ich sehe das als sehr bedenkliche Entwicklung. Freu Dich an Deinen Kindern, insbesondere dann, wenn sie vielleicht nicht in jedes Raster passen.Ich denke ,daß wichtigste ist eine gute und liebvolle familiäre Bindung, dann ist die Schulform vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig.
    Und die zauberhaften Täschchen haben die Erzieher mehr als verdient!
    Liebe Grüße,Barbara
    (Deine (mittlerweile auch viel nähende) Tante )

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