24.10.13

Shelley, ein Nähbericht über einen BH

Mich juckt es ziemlich in den Fingern, dieser Post und der damit entstehende BH müssen heute fertig werden!
Der gestern gezeigte BH war schon mein zweiter selbstgenähter, ich habe vor gut zwei Jahren schonmal einen genäht, den ich auch trotz einiger Schönheits-Fehler ganz gerne getragen habe. Er hat aber nicht wirklich besser gepasst als meine anderen BHs, die meisten solche mit Formcups, aber eben auch nicht schlechter, immerhin.
Für einen neuen Versuch wollte ich lieber ein anderes Schnittmuster ausprobieren, wie der erste BH ist auch dieses SM von Pin-Up-Girls by Beverly Johnson, das Modell Shelley, ich habe ihn samt Material bei Elingeria bestellt, wie gestern schon erwähnt gibt es diesen Shop leider nicht mehr.

(Es gibt aber durchaus noch Shops für Dessouszutaten, keine Bange, z.B. Sewy.de, Spitzenparadies.de, Spitzen-Stoffe.de und wien2002.at. Kennen wir z.T. noch vom Bombshell-Sew-Along. Viel mehr konnte ich allerdings nicht finden, für weitere Tipps wäre ich dankbar.)

Der erste Shelley-BH

Der Schnitt hat ein dreigeteiltes Cup, das war so in etwa was ich probieren wollte und hatte zudem sehr gute Bewertungen bekommen, deswegen habe ich mich für ihn entschieden. 
Als Material für Band und Cup wird im Schnitt Duoplex empfohlen, bei Elingeria gab es das im Shop und das bestellte Stück reicht wahrscheinlich auch noch für einen dritten BH. 
Duoplex ist ziemlich dick, fließend, eine Seite glänzend, eine matt, und es ist gewirkt, also gestrickt, aber eine Seite um 90grad versetzt zur anderen. Dadurch ist er sehr stabil und unnachgiebig, good support for the Babies sozusagen.
Die Cups brauchen bei Duoplex laut Shopbeschreibung nicht gefüttert zu werden, da war ich zunächst skeptisch aber es stimmt, da stört nichts, es ist sehr angenehm auf der Haut.


Leider habe ich in den oben genannten Shops keinen Stoff unter der Bezeichnung gefunden, vielleicht wird das hier anders genannt, kennt sich jemand aus? Im Shop von Beverly Johnson (Kanada) gibt es jedenfalls viele schöne Farben und ich habe dort eine kleine, feine Auswahl bestellt, aber das dauert jetzt bestimmt bis die über den großen Teich geschwommen ist.

Vor dem Zuschneiden steht das Grössenermitteln, mittlerweile weiß ich dass ich bei meiner Hauruckaktion neulich spätabends nicht ganz korrekt gemessen habe. Die Unterbrustweite ist eine Nummer zu klein, er sitzt auch zugegeben etwas straff, aber dank dem megastretchigen Powernet geht es trotzdem ganz gut und ich nähe auch den zweiten in dieser Grösse, der war nämlich bereits zugeschnitten.
Messen muss man bei diesem SM die Oberbrustweite(!!) und die Brustweite. Daraus ergäbe sich bei mir tatsächlich 36C-D, das entspricht 80C-D in deutsch. Zugeschnitten habe ich allerdings 34D, ich hatte unter der Brust gemessen, da sind's 2 inch weniger als über der Brust. Beim dritten werde ich dann vielleicht mal 36 testen, mal sehen.

Weiter geht es mit dem Material:


Außer Duoplex oder anderem stabilen, nicht sehr dehnbaren Material, braucht man noch das eben erwähnte Powernet für die Rückenteile, das ist ein sehr stretchiges aber stabiles, netzartiges Zeug. Die Pfeile auf den Teilen bedeuten übrigens nicht den Fadenlauf sondern die Richtung, in der das Material am meisten gedehnt werden kann (Direction Of Greatest Stretch, kurz DOGS):


Zwei Stücke Spitze, werden symmetrisch zugeschnitten.


Und diverses andere Material, da wären die Bügel, das hellblaue rechts unten ist Bügelband, das ergibt die Tunnel für die Bügel, Ringe und Schieber für die Träger, Trägergummi, das ist das leicht glänzende unten in der Mitte, dann Unterbrustgummi, das lilagraue Knäuel links unten, hat eine kleine Mausezahnkante, und natürlich einen BH-Verschluss. Ich habe keinen schwarzen da, entweder ich nehme jetzt auf die Schnelle den hautfarbenen oder ich wandle einen BH-Verlängerer um, die gibt's im Handel, sind aber leider mit dem Gummiband dazwischen verschweißt, dämlich.
Außerdem habe ich mir Microtex-Nadeln besorgt, die normalen Nadeln haben ein bisschen rumgezickt bei dem Duoplex, mal sehen ob das besser geht.
(Übrigens, warum kann bei Prym auf der Rückseite nicht ein Hauch mehr Information sein? Nichts über den Verwendungszweck oder was bei der Nadel nun anders ist steht da drauf, man müsste sich alles zusammenreimen oder auf die Beratung der Verkäufer setzen, in diesem Falle Kaufhof, das schenke ich mir lieber. Bleibt nur der Selbstversuch, also echt.)

Die Nahtzugabe von 6mm ist im Schnitt enthalten, man muss bei solch kleinen Teilen also ziemlich genau schneiden und nähen. Markierungen mache ich lieber mit dem Stift statt wie sonst mit scherenknipsen, dafür ist die NZ zu schmal. 
Jetzt geht's los!


Als erstes werden die Cups zusammengesetzt, die Nahtzugaben werden anschließend auseinandergebügelt (geht zugegeben bei dem Material kaum) und abgesteppt. Die elastische Spitze ist knapp unter der Bogenkante mit einem untergestepptem Gummiband verstärkt, das war ein Rest, nicht wundern.



Das Seitenteil, genannt 'Power Bar', und der Träger sind jetzt dran und ebenfalls abgesteppt. Der Träger besteht aus zwei Teilen, genäht ist bisher nur die innere Seite. Die Nahtzugabe wird leicht zur Rückseite versetzt gebügelt, dadurch entsteht die leicht überstehende Schnittkante an der rechten Seite.


So sieht das gesteckte Körbchen aus. Hier muss man unbedingt die Nahtlinien beachten, nicht die Schnittkante, Ecken wie links zu sehen stehen natürlich über!



Die Cups passen genau in den runden Ausschnitt, die schmale Nahtzugabe macht das Nähen trotz Rundung ziemlich problemlos.



Die Powernet-Rückenteile werden an die Seite genäht, eine gerade Naht, toll! Man muss sie nur richtigrum annähen, das Teil hat nach oben hin eine Art Ausschnitt, ausserhalb des Fotos.
Diese Naht wird zweimal abgesteppt.
Nun werden die Tunnelbänder für die Bügel angenäht, das hellblaue auf dem Foto, zunächst nur auf der Nahtzugabe der Cupansatznaht, mit der flauschigen Seite nach oben, an den Enden werden jeweils ein paar Zentimeter unangenäht gelassen. 



Die Kanten werden jetzt mit dem Unterbrustgummi verstürzt, oben von der hinteren Mitte bis zum Trägerende und unten komplett von einem Ende zum anderen. Dazu näht man das Gummi rechts auf rechts mit schmalem Zickzack auf die Kante, klappt es um und näht es mit geteiltem Zickzack fest. Unten habe ich das Umschalten zum geteilten Zickzack vergessen, naja, das trenne ich jetzt aber nicht mehr auf. 
Der rechte Träger ist noch nicht fertig, hier sieht man das aufgenähte Gummiband auf der Rückseite vor dem Umklappen, links ist die fertige Ansicht.
Dieses Gummibandaufgenähe finde ich relativ ätzend, das Band rutscht dauernd weg und transportieren mag es die Maschine auch nur zögerlich. Vielleicht muss ich hier mal mit einem anderen Füßchen experimentieren.
Aber immerhin lerne ich das erste mal die Speicherfunktion für Sticheinstellungen zu schätzen, das High-Tech-Maschinchen ist doch zu was nütze.


Die Cups werden von außen zweimal abgesteppt, dabei wird das Bügelband festgesteppt. Zuvor wurden die Tunnel am mittig liegenden Ende verriegelt, diesen Riegel sieht man also nur innen.


Die Träger werden mit Schieber und Ring versehen, die genähten Träger werden am Ring befestigt und das andere Ende an den Rückenausschnitt angenäht. Der in der Anleitung hierfür vorgeschlagene Stich (Leiterstich? Glaube ich) gefiel mir beim ersten BH überhaupt nicht, das was ich jetzt hier gemacht habe allerdings auch nicht. Das nächste mal nehm ich wieder nen Zickzackstich. Oder Blümchen.
Von einem Ausschlacht-BH hab ich diesen hellgrauen Verschluss abgetrennt, immerhin besser als beige. Der Verschluss wird einfach um die Enden gelegt und mit Zickzack festgenäht. Bei den Kauf-BHs habe ich noch einen Raupenstich an den Kanten vom Verschluss gesehen, das mache ich das nächste mal auch, aber evt. tausche ich diesen Verschluss nochmal um, so habe ich es erstmal gelassen.


Als letztes werden die Bügel eingeschoben und das äußere Ende der Bügelbänder von außen verriegelt und abgeschnitten.


Fertig! Und auch dieses Modell passt. Ich habe beim Nähen diesmal größtmöglich genäht, quasi knapp neben der gedachten Nahtlinie, jetzt ist er fast einen Tick zu bequem und unter den Armen könnte ich einen cm wegnehmen. Entweder ändere ich das noch oder ich merke es mir für den nächsten. Jetzt erstmal ein paar Tage probetragen.

Das Schnittmuster ist wirklich nicht schwer zu nähen, finde ich. Natürlich muss man einiges beachten, aber die Anleitung ist ziemlich gut und mit Zeichnungen zu jedem Schritt versehen, ich habe nur manchmal etwas überlegen müssen. 
Wie man hoffentlich erkennen konnte braucht es keine besondere Technik oder Ausstattung, lediglich genaues Nähen sollte man beherrschen, wobei meine Zwei bei genauem Hinsehen auch ein paar Dellen in den Nähten haben. 
Allerdings habe ich den Nähfussdruck auf sehr weich gestellt, Gummibänder annähen ist irgendwie nicht die Kernkompetenz meiner Nähmaschine. Und man sollte schnellstmöglich immer sämtliche Fädchen abschneiden, sonst hat man die überall drin hängen.
Einen Nachteil hat das BH-Nähen gegenüber anderen Kleidungsstücken allerdings schon: Anprobieren kann man wirklich erst den fertigen BH, da wüsste ich jetzt keine Technik ihn vorher mal zu testen. Und trennen is jetzt auch nicht son Spass...Man kann allerdings im Extremfall die Hardware wieder rausschneiden und für einen Zweitversuch verwenden, Stoff und Gummibänder kann man ja mal vorsichtshalber reichlich einkaufen.
Ich hoffe Euch hat dieser kleine WIP Spass gemacht, wie gesagt, ich bin ja noch relativ unerfahren im Dessous-Nähen, freue mich schon auf weitere Farben. Dunkelblau mit Creme z.B.Schwarz brauche ich selbstverständlich am dringendsten.
Wer noch Tipps oder Links für mich hat, immer her damit!

Kommentare:

  1. Kennst du das Blog verypurpleperson.com ? Novita setzt sich schon seit einiger Zeit immermal wieder mit BHs auseinander und hat einige Schnitte getestet.

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Toller BH. So einer steht auch noch auf meiner Wunschliste.
    Zum Thema Nadeln kann man sich bei Schmetz zwei Heftchen kostenlos bestellen. Ganz toller Service und sehr informativ. Guck mal hier: http://www.schmetz.com/de/service-house/informationen/
    Liebe Grüße
    Yvonne

    AntwortenLöschen
  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  4. Ich kann zum Material noch www.roosenrausch.de empfehlen. Wäschestoffe und sehr schöne Spitze!
    Schöne Grüße

    AntwortenLöschen
  5. Toll, ich war schon von deinem ersten so begeistert!
    Und wie steht es mit den Kosten? Früher gab es im Alsterhaus in Hamburg (leider nicht mehr) die "Zutaten". Die schienen mir unverhältnismäßig teuer!?
    Bin gespannt auf die nächsten,
    liebe Grüße von Julia

    AntwortenLöschen
  6. Toll.wie du das erklärt mit ganz viel Mühe.Schönes Wäscheteilchen.
    Schönes Wochenende Annette

    AntwortenLöschen
  7. Ich bin beeindruckt! Schaut toll aus.
    Liebe Grüße von Bettina

    AntwortenLöschen
  8. Danke, toller Beitrag! Um das BH-Nähen bin ich gedanklich schon öfter rumgeschlichen, aber bisher kams mir alles ungeheuer kompliziert vor: man braucht drölfzig verschiedene Materialien, welchen Schnitt nimmt man, welche Größe - und dann hab ich bei Hobbyschneiderin24 immer mal wieder die Threads zum Thema gelesen, wo Schnittanpassungen mit mehreren Probemodellen vorgenommen wurden etc. - aber so, wie du das beschreibst, erscheint es absolut machbar. Super. Jetzt müsste man nur noch rauskriegen, unter welcher Bezeichnung dieses Duoplex hierzulande verkauft wird. Diese ganzen verschiedenen Gummibändersorten sind ja auch gar nicht mal teuer.

    viele Grüße!

    AntwortenLöschen
  9. Dein BH sieht absolut professionell aus! Das Thema interessiert mich auch sehr.
    Und ich bleibe dabei: Dein Blog ist für mich ein gefährliches Pflaster *lach*.

    LG Luzie

    AntwortenLöschen
  10. wow, vielen dank für deine Mühe! Ich finde das total spannend und interessant, und werde mich ev. auch bald mal an so einem Projekt versuchen! Lg Manuela

    AntwortenLöschen
  11. Ich denke auch schon länger mal über das BH nähen nach, Deine sind toll. Und Deine ausführliche Bschreibung werd´ich mal speichern.....irgendwann werde ich es versuchen....
    Herzliche Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
  12. Leider habe ich keine neuen Versand Adressen, aber vielen Dank für den Wien2002.at, den kannte ich bis jetzt noch nicht.
    Dafür kann ich den Block von La Mona empfehlen, sie hat ein paar ganz tolle Dessous genäht.
    http://lamona-dessous.blogspot.co.at/2012/11/bh-mit-kleinem-mittelstuck-partial-band.html
    lg Julieth

    AntwortenLöschen
  13. Vielen Dank für diese tolle Beschreibung. Dein BH ist ist absolut fantastisch. Ich habe auf dem Link zu den Schnittmustern ein Buch gefunden, kennst Du das? Und braucht man das, wenn man BH's nähen will? Ich sammle schon seit einiger Zeit alte BH's zum ausschlachten, jetzt hast Du mir noch einmal Mut gemacht, es mit dem selbernähen zu versuchen.
    Liebe Grüße, Stefanie

    AntwortenLöschen
  14. Hallo, bin ganz zufällig über machwerk an ihren Blog geraten. Ich nähe auch Dessous. Nach einem Nähkurs dafür, wo uns die Kursleiterin anhand eine Slip-Schnitts und des Schnitts Rebecca von Sewy.de alles gezeigt hat. die Stoffe dafür haben wir bei www.kantjeboord.nl in Holland bestellt. Da gibt es alles!!! Kurzwarenpakete in vielen Farben ( die passen 100 Prozent) und natürlich Stoffpakete (hunderte). Da ist alles drin was man für einen BH und zwei Slips braucht. Und das für 19.95 €. Und in einer super Qualität. Einziger Wermutstropfen ist der Portopreis. Aber dafür ist der Service und das Angebot einfach super. Übrigens machen wir immer eine Sammelbestellung. Dann teilt sich das Porto auf und es wird viel billiger.
    LG
    Martina

    AntwortenLöschen
  15. Halllo,
    noch ein Nachtrag: ich verwende Superstretch-Nadeln von Schmetz und als Garn Gütermann Allesnäher oder ein anderes passendes Nähgarn Stärke 120. Aber das von Gütermann gibt es in vielen Farben. Übrigens: gibt man den sehr netten Damen von Sewy die Garnnummer (Gütermann) an, dann stellen sie das Kurzwarenpaket ganz genau passend zusammen. Der Rebecca-schnitt sitzt optimal. Ein Tip noch: ich mache mir vom Körbchen eines Schnittes immer erst ein Papiermodell aus Küchenrolle. Das halte ich dann an und kann genau sehen, wo es dann hakt. Dann nehme ich etwas weg oder gebe etwas zu. Dann erst an den Stoff gehen.

    Viel Spaß noch beim Nähen. Martina















    AntwortenLöschen